5 Fragen an... Dr. Carola Reimann, MdB

 
 

Am 24. September 2017 wird ein neuer Bundestag gewählt. Unsere Ortsvereinszeitung "Hallo Nordstadt" hat die Möglichkeit genutzt, die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Carola Reimann zur zurückliegenden Wahlperiode, ihren Arbeitsschwerpunkten in Berlin und ihre Arbeit für Braunschweig zu befragen. Carola kandidiert wieder in Braunschweig als Direktkandidatin für den nächsten Bundestag.

 

1. Carola, du bist schon viele Jahre Mitglied im Deutschen Bundestag. Zugleich bist du als stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende zuständig für den großen Bereich Arbeit und Soziales, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Wie bewertest du aus deiner Sicht die Arbeit der SPD in der Großen Koalition mit der Union?

Ja, ich bin seit dem Jahr 2000 Bundestagsabgeordnete. Das ist mein absoluter Traumjob. Deshalb möchte ich ihn auch sehr gerne weitermachen.

Ich war lange im Bereich Gesundheitspolitik unterwegs. Seit der letzten Bundestagswahl bin ich Stellvertreterin von Thomas Oppermann und für die Bereiche Arbeit und Soziales und Familie, Senioren, Frauen und Jugend zuständig.

Wenn wir von der Arbeit der SPD in der Großen Koalition sprechen, fällt meine Bilanz sehr positiv aus. Wir haben unser Bestes gegeben und wirklich viel für die Menschen in unserem Land erreicht. Ohne uns gäbe es keinen Mindestlohn und keine Frauenquote. Wir haben bessere Renten durchgesetzt und für mehr BAföG, mehr Kindergeld und mehr Kitaplätze gesorgt. Diese Liste könnte ich noch weiter fortführen, aber es geht ja nicht darum, sich auf dem Erreichten auszuruhen, sondern nach vorne zu schauen.

Dass die Zusammenarbeit mit der CDU/CSU in den vergangenen dreieinhalb Jahren alles andere als leicht war, liegt auf der Hand. Es gibt oftmals einfach sehr große inhaltliche Differenzen. Da dann einen Kompromiss zu finden, kostet viel Zeit und manchmal auch Nerven.

2. Du kandidierst ja am 24. September im Wahlkreis 50, also Braunschweig, wieder für den Bundestag. Was sind aus deiner Sicht die drängendsten Themen, denen sich Bundestag und Bundesregierung stellen sollten?

Nach der Bundestagswahl müssen wir vor allem zuerst etwas in Sachen Bildung unternehmen. Bildung ist die wichtigste Investition in unsere Zukunft. Wir wollen bis 2021 die Schulen sanieren und modernisieren, ein verlässliches Ganztagsangebot verwirklichen und den flächendeckenden Ausbau der Schulsozialarbeit gewährleisten. Und für uns Sozialdemokraten ist immer klar: Bildung muss gebührenfrei sein - von der Kita bis zur Hochschule.

Auch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein ganz wichtiges. Wenn Martin Schulz Kanzler wird, wird es die Familienarbeitszeit geben. Dieses Konzept ist die richtige Antwort auf die zunehmenden Zeitkonflikte vieler Frauen und Männer in unserem Land. Voll im Beruf sein, immer Leistung bringen und sich zugleich aufmerksam und liebevoll um Kinder und vielleicht auch um pflegebedürftige Angehörige kümmern - da stößt man schnell an Grenzen.

Aber ich kann natürlich nicht in die Glaskugel schauen und die Zukunft voraussagen. In der Politik muss oftmals schnell auf aktuelle Ereignisse reagiert werden. Wer hätte denn im letzten Bundestagswahlkampf 2013 gedacht, dass uns wenig später der große Zustrom an Flüchtlingen beschäftigen würde? Deshalb kann im Oktober auch etwas ganz anderes auf der Tagesordnung stehen.

 
Dr. Carola Reimann, MdB
 

3. Und wo siehst du deine persönlichen Schwerpunkte?

Mein größter Schwerpunkt ist Braunschweig. Meine Aufgabe als direkt gewählte Bundestagsabgeordnete ist es, die Interessen, Anliegen und Sorgen der Menschen aus meinem Wahlkreis wahrzunehmen und nach Berlin zu transportieren. Was ich in Braunschweig erfahre und erlebe, ist die Basis für mein politisches Handeln.

In Berlin liegen meine Schwerpunkte in den beiden Bereichen, für die ich als stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion zuständig bin: Arbeit und Soziales und Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das sind ganz wichtige Zukunftsthemen. Hier geht es um den Alltag der Menschen. Das fängt an bei der Bekämpfung des Missbrauchs von Leiharbeit und Werkverträgen und geht bis hin zur Verbesserung der Situation von Alleinerziehenden. Außerdem kümmere ich mich im Bundestag mit Leidenschaft um alle ethischen Themen. Zuletzt habe ich mich in der Debatte um die Sterbehilfe engagiert.
 

4. Wenn du jetzt einmal die Entwicklung der letzten vier Jahre in Braunschweig und natürlich auch in der Nordstadt Revue passieren lässt:  Was hat sich zum Positiven verändert, wo siehst du Entwicklungspotentiale?

Es ist schön zu sehen, dass die SPD die treibende Kraft in der Stadt ist. Für Braunschweig ist bezahlbarer Wohnraum ein zentrales Thema. Freie und vor allem bezahlbare Wohnungen sind bei uns derzeit Mangelware. Eines der größten Wohnungsbaugebiete entsteht gerade in der Nordstadt im Bereich Taubenstraße/Mitgaustraße. Die SPD hat mit dafür gesorgt, dass 20 Prozent der geplanten Wohnungen als Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt werden. Das ist für die Nordstadt eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch eine große Chance.
 

5. Wenn du zwei Wünsche frei hättest: Was würdest du dir politisch für Braunschweig wünschen und was wünscht du dir für dich ganz persönlich?

Für Braunschweig wünsche ich mir, dass die Stadt so lebenswert bleibt und dass schnell der dringend benötigte Wohnraum geschaffen wird. Für mich persönlich wünsche ich mir Gesundheit und dass ich auch nach dem 24. September die Interessen der Bürgerinnen und Bürger weiter in Berlin vertreten darf.